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Arbeitsgruppe informiert Bürger über Maßnahmen zum Wasserrückhalt und Grundwassermanagement in Cröchern und Blätz

Arbeitsgruppe informiert Bürger über Maßnahmen zum Wasserrückhalt und Grundwassermanagement in Cröchern und Blätz

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Burgstall und den umliegenden Ortschaften folgten der Einladung zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema Wasserhaushalt, Grundwasserentwicklung und Wasserrückhalt in der Region. Ziel der Veranstaltung war es, die Bevölkerung über den aktuellen Stand der Arbeiten der interdisziplinären Arbeitsgruppe zu informieren, wissenschaftliche Erkenntnisse vorzustellen und einen offenen Austausch zu ermöglichen.

An der Veranstaltung nahmen Vertreter der Verbandsgemeinde Elbe-Heide, der Gemeinde Burgstall, der Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH (TWM), des Ministeriums für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Börde, des Unterhaltungsverbandes Tanger sowie des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) teil. Für Fragen zum Thema Baumsterben und Waldumbau standen die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und das Betreuungsforstamt Letzlingen bereit.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Vorstellung der bisherigen Ergebnisse und der aktuellen Arbeitsstände zur Entwicklung eines nachhaltigen Wasserrückhalts sowie eines langfristig wirksamen Grundwassermanagements für den Bereich Cröchern und Blätz.

Nach einer Begrüßung durch den Verbandsgemeindebürgermeister Stefan Crackau und einer Erläuterung zur Notwendigkeit der Arbeitsgruppe gab Dr. Christian Kroll, stellv. Bürgermeister der Gemeinde Burgstall, einen kurzen Einblick zur Grundwasserentwicklung aus Gemeindesicht. Er teilte mit, dass durch die bisherigen Tätigkeiten der Arbeitsgruppe ein spürbares Verständnis und somit eine Verbesserung der Kommunikation erkennbar ist.  
Herr Dr. Alexander Ruhland und Christoph Lohoff (TWM) erläuterten die Entwicklung der Trinkwassergewinnung im Wasserwerk Colbitz und im Bereich der Nordfassung. Dabei wurde deutlich, dass die Wasserförderung seit 1990 im langfristigen Durchschnitt nicht über der natürlichen Grundwasserneubildung lag. Dies soll auch in Zukunft so bleiben. Die Entnahmemengen würden kontinuierlich überwacht und anhand eines engmaschigen Netzes aus Messstellen sowie hydrologischen Untersuchungen regelmäßig überprüft und bewertet. Die nachhaltige Sicherung der Trinkwasserversorgung bleibe oberstes Ziel des Unternehmens. Es wurde darauf hingewiesen, dass sich die TWM in Trägerschaft kommunaler Gesellschafter befindet und erwirtschaftete Gewinne nicht ausgeschüttet werden, sondern vollständig in die Reinvestition der Wasserversorgungsanlagen fließen.  


Vom Gewässerkundlichen Landesdienst stellte Frau Dr. Beylich anhand langjähriger Messreihen und regionaler Vergleichsdaten die Entwicklung der Grundwasserstände im Raum Cröchern vor und ordnete diese in den landesweiten Zusammenhang ein. Dabei wurde deutlich, dass sich niederschlagsreiche und niederschlagsarme Jahre, insbesondere die Trockenperiode 2018-2020, maßgeblich auf die Grundwasserstände auswirken.


Jan Klein vom Unterhaltungsverband Tanger informierte über bereits umgesetzte sowie geplante Maßnahmen zum Wasserrückhalt in den Gewässersystemen. Bereits vor einigen Jahren sei  begonnen worden Maßnahmen zur Verlangsamung des Wasserablaufs in den Grabensystemen umzusetzen. Inzwischen wurden weitere Förderanträge gestellt, um zusätzliche Stauanlagen und Sohlgleiten errichten zu können. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Niederschlagswasser möglichst lange in der Landschaft zu halten und einen schnellen Abfluss über die Grabensysteme zu vermeiden.

Ivonne Rahn von der Unteren Wasserbehörde des Landkreis Börde berichtete über aktuelle Planungen im Zusammenhang mit dem grundhaften Ausbau der Kreisstraße durch Cröchern. Im Zuge dieser Baumaßnahme ist ein Regenrückhaltebecken geplant. Dieses soll anfallendes Niederschlagswasser zunächst aufnehmen und anschließend zeitlich verzögert an das vorhandene Grabensystem abgeben. Dadurch soll die natürliche Versickerung verbessert und der Wasserhaushalt der angrenzenden Landschaft nachhaltig unterstützt werden.

Alle vorgestellten Maßnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Wasser möglichst lange in der Region zu halten. Durch einen verlangsamten Abfluss sollen Gräben länger wasserführend bleiben, Feuchtlebensräume stabilisiert und die ökologische Entwicklung von Flora und Fauna unterstützt werden. Gleichzeitig wird dadurch angestrebt, die Grundwasserneubildung zu fördern.

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die wissenschaftliche Einordnung der Ursachen des Baumsterbens im Bereich südlich von Cröchern. Die vorgestellten wissenschaftlichen Erkenntnisse ergaben, dass die höher gelegenen Waldbestände hydraulisch nicht mit dem tiefer liegenden Grundwasserleiter verbunden sind, aus dem die Trinkwasserversorgung erfolgt. Die Wurzeln der dort vorkommenden Baumarten reichen nicht bis in diese tiefen Grundwasserhorizonte.

Nach übereinstimmender Einschätzung der Fachbehörden und Wissenschaftler ist das beobachtete Absterben der Bäume in den Hochflächen daher nicht auf Veränderungen des tieferen Grundwassers zurückzuführen. Vielmehr seien die langjährigen Niederschlagsdefizite, die zunehmende Austrocknung der Waldböden sowie die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels die wesentlichen Ursachen. Besonders die oberen Bodenschichten hätten in den vergangenen Jahren erheblich an Feuchtigkeit verloren, wodurch die Wasserversorgung der Bäume nachhaltig beeinträchtigt worden sei.

Von den Vertretern der TWM wurde eingeräumt, dass der Beginn der Trinkwasserförderung in den 70er Jahren auch zu einem Absinken der Grundwasserstände in Cröchern und im Bereich des Mühlgrabens führte. Nach Aussage der TWM dürfte dies in Verbindung mit den klimatischen Veränderungen zum Versiegen des Mühlgrabens erheblich beigetragen haben. Christoph Lohoff teilte weiterhin mit, dass durch TWM verursachte Schäden an Waldwegen geprüft und beseitigt werden sollen. Hier soll in Zukunft ein enger Austausch zwischen TWM, Gemeinde und Forst erfolgen.

Im Anschluss an die Fachvorträge nutzten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, Fragen zu stellen und ihre eigenen Beobachtungen einzubringen. Diskutiert wurden unter anderem die Entwicklung der Gräben, der Zustand der Wälder, trockengefallene Brunnen sowie Möglichkeiten einer weiteren Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes. 

Die Vertreter der beteiligten Institutionen beantworteten die Fragen ausführlich und erläuterten die unterschiedlichen fachlichen Zuständigkeiten sowie die komplexen Zusammenhänge zwischen Niederschlag, Oberflächenwasser, Bodenfeuchte und Grundwasser. Auf die Frage, ob Waldflächen, welche für die Brunnenertüchtigung der TWM notwendig sind auch getauscht werden könnten wurde auf die Kontaktaufnahme dieser Einzelfälle zur TWM im Nachgang der Veranstaltung verwiesen.

Die Mitarbeiter des Ministeriums teilten mit, dass mit dem geplanten Elbewasserwerk die Trinkwasserversorgung im Großraum Magdeburg langfristig gestärkt werden kann. Dies kann regional für eine Entlastung der Grundwasserstände in der Colbitz-Letzlinger Heide sorgen. Allerdings wird es noch mindestens 10 Jahre dauern bis das Elbewasserwerk letztendlich in Betrieb gehen kann. Als ersten Schritt soll eine Machbarkeitsstudie zur Umsetzung des Projektes in Auftrag gegeben werden.

Zum Abschluss verständigten sich alle Beteiligten darauf, die bestehende Arbeitsgruppe auch künftig fortzuführen. Der regelmäßige Austausch zwischen Behörden, Wissenschaft, Wasserversorgern und Kommunen soll fortgesetzt werden, um neue Erkenntnisse zeitnah auszuwerten und weitere Maßnahmen gemeinsam zu entwickeln.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Herausforderungen des Klimawandels und eines nachhaltigen Wassermanagements nur im engen Zusammenwirken aller beteiligten Akteure bewältigt werden können. Transparenz gegenüber der Bevölkerung sowie eine wissenschaftlich fundierte und faktenbasierte Information bleiben dabei wesentliche Grundlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die Arbeitsgruppe wird ihre Arbeit daher konsequent fortsetzen und die Öffentlichkeit auch künftig regelmäßig über neue Entwicklungen und Ergebnisse informieren.


Fotos
1 Dr. Ruhland (TWM) erläutert die Entwicklung der Trinkwassergewinnung im Wasserwerk Colbitz 
2 Verbandsgemeindebürgermeister Stefan Crackau führt durch die Veranstaltung
7 Dr. Wallbaum (Bildmitte) gibt eine Einordnung aus Sicht der Fachbehörde
13 Dr. Kroll beschreibt die Sicht der Gemeinde Burgstall
 

(Fotoquelle VerbGem Elbe-Heide)

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