Gedenkstein für Johann Heinrich Schulze Colbitz

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Als einer der letzten Universalgelehrten des deutschen Volkes beherrschte er das medizinische und geisteswissenschaftliche Wissen seiner Zeit in seltener Vollständigkeit. Geboren am 12. Mai 1687 als neuntes von elf Kindern des Schneidermeisters Matthias Schulze fällt dem Ortspfarrer Albert Corvinus die Begabung des Jungen auf und er lässt ihn zusammen mit seinen Kindern zusätzlichen Unterricht zuteil werden. Da Corvinus verwandtschaftlich mit dem Begründer der Frankeschen Anstalten (1695) in Halle verbunden ist, kommt Schulze 1707 auf Empfehlung von Corvinus an diese Bildungsstätte und erfährt dort seine weitere Ausbildung. Sieben Jahre später wechselt er an die Universität Halle und studiert zunächst Theologie. Seine Interessen neigen sich aber bald, neben alten Sprachen insbesondere des arabischen Raumes, Medizin und Naturwissenschaften zu. Zwischenzeitlich wird er im Alter von 20 Jahren Lehrer an den Frankeschen Stiftungen und unterrichtet Botanik, Anatomie und Geographie. Als der berühmte Arzt Professor Friedrich Hoffmann 1715 nach Halle kommt und die medizinischen Neigungen Schulzes entdeckt, findet dieser in ihm einen neuen Gönner. Im Alter von 30 Jahren promoviert Schulze mit einer Arbeit über die Diät der Athleten im Altertum zum Doktor der Medizin. Es folgen Vorlesungen an der Universität über Anatomie, Physiologie, Geschichte der Medizin und Chemie. Zwischendurch kehrt Schulze zu besonderen Anlässen öfter in seinen Heimatort zurück. Bei einem solchen Besuch verliebt er sich in die 14 Jahre jüngere Tochter seines Förderers Corvinus. 1719 heiratet er Johanna Sophie (1701 - 1766) in Colbitz. In diese Zeit fällt die Entdeckung der Lichtempfindlichkeit der Silbersalze, der chemischen Grundlage der Fotografie, durch die der zwischenzeitlich vergessene Schulze in der Neuzeit wieder bekannt wurde. Diese Entdeckung ist allerdings nicht weiter von ihm verfolgt worden. 1720 wechselt Schulze an die Universität Altdorf bei Nürnberg und hält dort Vorlesungen über Anatomie und Wundarznei. Er beschäftigt sich aber weiter mit alten Sprachen und dabei gelingt es ihm, die Schriften aus kufischen Lettern auf dem seit 1424 in Nürnberg aufbewahrten Krönungsmantel der deutschen Kaiser zu entziffern und zu übersetzen. 1721 wird Schulze Mitglied der kaiserlichen Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina), die heute noch existiert und ihren Sitz in Halle hat. 1729 wird er in die Preußische Akademie berufen. Schulze genießt in Altdorf großes Ansehen, aber seine finanzielle Situation ist nicht sehr gut, daher folgt er 1732 einem Ruf zur Rückkehr nach Halle. In Halle hält Schulze zahlreiche Vorlesungen an der medizinischen und philosophischen Fakultät. Er erweitert seine Münzsammlung und hält schließlich Vorlesungen über Münzkunde. Er rechnet damit zu einem der Begründer der Numismatik. Schulzes großes Ansehen in der wissenschaftlichen Welt zeigt sich auch darin, dass zu seinen bereits bestehenden Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Akademien 1739 die Aufnahme in die St. Petersburger Akademie kommt und ihm vorbehalten bleibt, die Festrede zum 300. Jahrestag der Erfindung der Buchdruckerkunst zu halten. Die in dieser Zeit in größerer Zahl an der Universität studierenden Afrikaner erfahren durch Schulze eine besondere Förderung. Das enorme Arbeitspensum, das Schulze in wissenschaftlicher Arbeit und bei der studentischen Ausbildung leistet, fordert bald seinen Tribut. Gesundheitliche Probleme stellen sich ein und nach der Vollendung des 57. Lebensjahres stirbt Johann Heinrich Schulze am 10. Oktober 1744 in Halle und wird auf dem Stadtgottesacker begraben. Seine Frau, die ihn um 22 Jahre überlebt, kehrt 1754 nach Colbitz zurück. In einer Festveranstaltung anlässlich Schulzes 300. Geburtstages wurden 1987 gemeinsam mit der Universität Halle und der Gesellschaft für Fotografie in Colbitz Ausstellungen zur Geschichte der Fotografie, zum Leben und Wirken Schulzes gestaltet und ein Tag eines Symposiums mit Teilnehmern aus dem In- und Ausland in Colbitz abgehalten. Eine von der Gesellschaft für Fotografie gestiftete Gedenktafel wurde angebracht. Der Gedenkstein entstand dann aber erst zu seinem 250. Todestag im Jahre 1994. Johann Heinrich Schulze ist nicht Dreh- und Angelpunkt der Ortsgeschichte von Colbitz und soll es auch nicht werden. Er ist und bleibt aber noch heute interessant durch seinen Weg vom armen Schneiderssohn zu einem der bekanntesten Wissenschaftler seiner Zeit. Gegenwärtig wurde eine Ausstellung im Museumshof über das Leben und Wirken Johann Heinrich Schulzes eröffnet.