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Evangelische Kirche Cröchern

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In der General-Kirchenvisitation stand geschrieben, dass die Kirche 1564 sehr arm und baufällig ist. 1724 ließ die Domina des Klosters Wolmirstedt, von Borstel, in Cröchern eine neue Kirche bauen. Der Baubeginn war am 17. April 1724 und wurde am 08. Juli 1725 durch den Inspektor Peter Kalkbrenner aus Magdeburg auf den Namen der Heiligen Katharina geweiht. Dazu erschienen: „Die Hochwürdige Frau Domina Sibylla Catherina von Borstel, Frl. Priorin von Pritzelwitz, Frl. Conventualin von Arnstedten vom Kloster Wolmirstedt, Herr Konsistorialrat Stubenrauch mit seiner Frau aus Magdeburg, Herr Stelle mit seiner Liebsten, ein Kammerdiener aus Magdeburg, Herr Amtmann Schrader vom Kloster Wolmirstedt, Herr Amtmann Hartmann. Außerdem waren zugegen: Herr Diaconus Jacob Petersen aus Wolmirstedt, Herr Pastor Coronimus mit seinem Adjunktus, Herr Jüncke aus Colbitz und Herr Pastor Adolf Fabricius.“

Nach der Kirchenrechnung ist die neue Kirche mit größter Feierlichkeit eingeweiht worden. Die Verteilung der Männer- und Weiberstühle war am 02. Juni 1725 in Gegenwart der Domina von Borstel geschehen. Die Rechnung ist von den Bauherren und Kirchenvorstehern in Cröchern, Joachim Kannenberg, derzeit Schulze und Kirchenvorsteher, Johann Nikolaus Treber, Gerichtsschöffen und Bauherrn und Joachim Schulze, Kirchenvorsteher unterzeichnet. Um der armen Gemeinde die Baulast zu erleichtern, richtete die Domina ein Bittgesuch an den König Friedrich-Wilhelm I. von Preußen. Die Rechnung betrug in Einnahmen und Ausgaben mit 1023 Talern, 15 Groschen und 5 Pfennigen. Davon trug das Kloster 675 Taler und 16 Groschen, die Gemeinde 347 Taler 23 Groschen und 5 Pfennig. Der König schenkte 131 Eichen aus der Colbitzer Heide für 475 Taler. Die Priorin von Pritzelwitz verehrte der Kirche einen neuen Altarschmuck von blauem Tuch mit gelben Kamelhaarschnüren. Der Taufstein bekam von Frl. Conventualin einen neuen Behang. Frl. Sybilla Magdalena von Urtschen spendete die Gardinen vor Kanzel und Sakristei. Auch von anderen Seiten gingen noch Spenden für die Kirche ein.

Die neue Kirche ist ein Bau in Form eines barocken Rechtecksaals mit großen Stichbogenfenster und quadratischem Fachwerkturm mit Zeltdach über dem Westgiebel. Es hat eine Größe von 6,90 m x 19,10 m. Der Bau besteht überwiegend aus Feldsteinen.

Die Kirche hat an den Längstseiten vier Flachbogenfenster mit Butzenscheiben verglast, am Rande die Inschrift: „Des Klosters St. Catherina et. Pancratius vor Wolmerstät als Kirchenpatron und Gerichts-Obrigkeitlicher Stand.“ Das Dach wird durch eine Holzbalkendecke vom Kirchenraum getrennt.

Im Inneren der Kirche befindet sich die Empore in Form eines Hufeisens. Sie befindet sich in der ursprünglichen Kanzelwand, wodurch die Sakristei und ein Herrschaftsstand abgegrenzt wird mit Säulchen, Gebälk, Akanthwangen und kronenartigem Schalldeckel. In der Ostwand befindet sich eine kleine barocke Sakramentsnische mit originaler Tür. Vor der Innentür stand ein urtümlicher Holzstock als Almosenbecken. Der Taufstein soll aus dem Kloster Wolmirstedt stammen. (Kantor Schäfer teilte in seinen Aufzeichnungen mit, dass der Taufstein aus dem 11. Oder 12. Jahrhundert stammen soll, was aber nicht belegt ist). Der Taufstein ist ein 12-Eck-Becken mit kurzem geschwelltem Fuß aus Sandstein. An den Seiten in Vierecksfeldern sind die 12 Apostel in schwerfälligem Halbrelief raumfüllend. Das eigentliche Taufbecken, eine Zinnschale, trägt die Inschrift: „Der Kirchen und Gemeinde zu Kröchern schenket dieses Taufbecken Herr Johann Braerus, Ratmann der Altenstadt Magdeburg und Herr Georg Saltzmann, Zinngießer daselbst anno 1725.“ Den dazugehörenden Zinnleuchter spendete die verwitwete Bohnin, Schulmeisterin zu Cröchern, 1741 der Kirche. Auf dem Glockenturm hängen zwei Glocken. Die kleinere von beiden stammt nach der Umschrift des oberen Glockenrandes aus dem 16. Jahrhundert und ist somit wohl die älteste Glocke aller Kirchen in der Umgegend, Die Umschrift lautet: „Anno Dm. MCCCCC in deme XIII iar ave maria.“ Danach zu schließen, wäre jene Glocke auf einen der Maria geheiligten Tag des Jahres 1513 geweiht. (Aus „Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wolmirstedt“) Die größere Glocke stammt aus dem Jahr 1848. Ihre Vorgängerin war beim Überläuten gesprungen, darum wurde diese neue Glocke angeschafft. Wie sich die ältesten Leute erzählen, war sie am Westgiebel emporgezogen, durch das Schalloch hineingenommen und aufgehängt worden. Sie wurde ein Opfer des 1. Weltkrieges. In der letzten Juniwoche des Jahres 1917 erschien plötzlich ein Glockengießer, nahm die Glocke ab, stellte sie auf den Kopf und zerschlug sie. Die Bruchstücke wurden vom Turm herabgeworfen und nach Mahlwinkel zur Bahn geschafft. Sie sollte zu einer Bronzekanone umgegossen werden. Im Herbst 1926 wurde durch die Glockengießerei Gebrüder Ullrich - Apolda, die alte Glocke von 1513 gestimmt und eine neue bestellt. Am Sonnabend vor Ostern 1927 wurde die neue Glocke bei Schneegestöber vom Bahnhof Mahlwinkel abgeholt und in die Kirche geschafft. Während der Ostertage blieb sie bekränzt vor dem Altar stehen, jedermann konnte das herrliche Werk bewundern. Ende der Osterwoche wurde die neue Glocke von jungen Burschen auf den Turm gezogen. Dazu hatte man schräge Balken auf die Treppe gelegt, bis zur Orgelempore. Mit Tauen wurde sie durch den aufgenommenen Glockenturmboden emporgezogen und im Glockengestühle aufgehängt. Die Glockenweihe fand am Sonntag nach Ostern statt. Die neue Glocke trägt die Inschrift: „Der Krieg verschlang, die vor mir hier erklang. Nun ließ der Herr mich werden, zu preisen ihn auf Erden. Läute Glocke, läute Frieden. Läute du mich heimatwärts.“

Die Orgel in der Kirche befindet sich auf der Empore über dem Westportal. Die nötige Luft zum Betreiben wird per Blasebalg, der von Hand betrieben werden muss und sich an der linken Seite befindet, zugeführt. Kantor Schäfer schreibt am 25. Mai 1870: „In der Mitte des Dorfes Cröchern steht die evangelische Pfarrkirche St. Katharina. Dieselbe ist in den Jahren 1724/25 erbaut. Die Kirche hat keine Orgel und wird der Gesang auf einem Positiv begleitet.“ Die Kirchengemeinde wandte sich im November 1886 an den Fiscus mit der Bitte, die Beschaffung einer neuen Orgel zu unterstützen, weil die alte nicht mehr funktionstüchtig sei. Die Bitte wurde abgelehnt.

Am 10. Mai 1895 wurde ein Kostenvoranschlag in Höhe von 1.560,00 M von Orgelbauer Beier aus Magdeburg, erneut eingereicht. Wiederum lehnte der Fiscus ab. Letztlich gab er seinen Widerstand auf und steuerte zur Finanzierung bei. Zur Aufstellung einer neuen Orgel musste aber die Empore verlängert und verbreitert werden.