Naturschutzgebiet „Colbitzer Lindenwald“

Tor zum Lindenwald

1292 wurden die „Lindenberge“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Lindenberge sind gelegen zwischen dem Heidberg und dem Wolfsberg, sowie zwischen dem Kleinen und dem Großen Fuchsberg. Bestärkt wird der Name des Areals durch den Namen des benachbarten Dorfes Lindhorst. Der Lindenwald ist erreichbar über die Bundesstraße B 189 Wolmirstedt - Stendal. In der Ortslage Colbitz, zunächst in westlicher Richtung, ist der Ausschilderung zum TWM Wasserwerk Colbitz und zur Gaststätte „Rabensol“ zu folgen. Vom Wasserwerk Colbitz führt eine befahrbare Straße weiter in nördlicher Richtung bis an die Gaststätte „Rabensol“, und weiter geht es zu Fuß bis zum Naturschutzgebiet. Das Naturschutzgebiet befindet sich 4 km nordwestlich von Colbitz. Es ist umgeben von Kiefernforsten sowie Fichten und Lärchen der Colbitz - Letzlinger Heide. Der Colbitzer Lindenwald ist der größte seine Art in Europa. Wegen seiner Einmaligkeit in Deutschland ist bereits sehr frühzeitig versucht worden, den „Colbitzer Lindenwald“ unter Schutz zu stellen. Im Jahre 1907 verfügte die Regierung in Magdeburg eine urwaldartige Behandlung für 40 Hektar des Lindenwaldes. 1920 wurde das Schutzgebiet auf 124 Hektar vergrößert und im Jahre 1939 durch den Regierungspräsidenten in Magdeburg auf 185 Hektar erweitert, wovon 28 Hektar total geschützt und urwaldnah für Forschungszwecke erhalten wurden. 1958 erfolgte eine Grenzkorrektur, danach hatte das Naturschutzgebiet „Colbitzer Lindenwald“ eine Gesamtgröße von 188 Hektar. Im Juni 1992 erließ der Regierungspräsident eine Verordnung über die Erweiterung des Naturschutzgebietes. Danach ist zusätzlich eine Fläche von 147 Hektar einstweilig gesichert. Der Schutzzweck ist die Sicherung und Entwicklung eines für Sachsen-Anhalt sehr bedeutenden komplexen Waldgebietes. Es handelt sich um eine natürliche Laubmischwaldgesellschaft aus Winterlinde, Traubeneiche, Hainbuche und Birke, wie sie nach der Eiszeit entstanden ist. Die Linde reproduziert sich im wesentlichen durch Stockausschläge. Die ältesten Linden sind 180 bis 200 Jahre alt. Das Alter der Eiche beträgt teilweise 400 - 600 Jahre. Bemerkenswert sind die Bestände an Glockenheide, Weißer Schwalbenwurz und an gelbblühendem Großblütigem Fingerhut, die nahe der nordwestlichen Vegetationsgrenze noch auftreten. Im Naturschutzgebiet wurden über 50 Brutvogelarten mit einem großen Anteil von Höhlenbrütern wie Mauersegler, Bunt-, Mittel- und auch Schwarzspecht nachgewiesen. An Greifvögeln sind besonders der Baumfalke und der Wespenbussard erwähnenswert. Alle Jahre, Ende Juni, Anfang Juli, ist Hochsaison im größten geschlossenen Lindenwald Europas. Die alten Linden stehen dann in voller Blüte und laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein – ein Paradies für Naturliebhaber. Durch das Naturschutzgebiet führen zwei sich teilweise überlappende Rundwege. Die Rundwege sind 1,5 bzw. 4 km lang. In dem Naturschutzgebiet sind durch den Fremdenverkehrsverein Colbitz - Letzlinger Heide e. V., durch die Gemeinde Colbitz und das ehemalige Jugendzentrum für Natur und Umwelt sehr informative Schautafeln angebracht worden. Bänke und Tische laden den Wanderer zum Verweilen ein.