Klutturm

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Eines der ältesten Bauwerke in Rogätz ist der Klutturm. Er erhebt sich dicht an der Einmündung der Ohre in die Elbe. Die günstige Lage dicht am hohen Elbufer muss für unsere Vorfahren strategisch wichtig gewesen sein, so dass sie dort eine Burg errichteten. Leider ist von dieser Burg nur noch der Klutturm erhalten. An zwei deutlichen Baunähten lässt sich erkennen, dass der Klutturm in verschiedenen Bauperioden errichtet wurde. Wann der unterste Teil des Klutturmes errichtet wurde, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. Es gibt zwar zwei alte Legenden über die Entstehungsgeschichte des Turmes, sie scheinen aber eher unwahrscheinlich und sind durch keinerlei Beweise belegbar. Die erste Legende besagt, dass Drusus (38 9 v. Chr.), Stiefsohn des römischen Kaisers Augustus den Klutturm als römisches Kastell errichtet haben soll. Dieses soll er angeblich bei seinen Kriegszügen in den Jahren 12 - 9 v. Chr. Erbaut haben, wobei er angeblich bis zur Elbe bei Magdeburg vordrang. Eine zweite Legende gibt Kaiser Karl den Großen (742 - 814) als den Erbauer des Klutturms an. Dies soll angeblich im Jahre 805 geschehen sein, als sich der Kaiser in unserer Gegend aufgehalten habe. Im Jahre 1665 schreibt Gebhard von Alvensleben in seiner Topographie: „Es hat aber der Orth (Burg) Rogez eine lange Zeit wüst gelegen bis König Heinrich I. (919 - 936) nachdem er 929 die Wenden geschlagen, ihn wieder etwas aufgerichtet und erneuert, damit den Wenden die Überfahrt über die Elbe verwehret würde“. Nach dieser Darstellung könnte Heinrich I. für die erste Baustufe des Turmes verantwortlich sein. Es wird aber auch angenommen, dass der erste Bauabschnitt erst im 11. Jahrhundert begonnen wurde. Genaue Datierungen sind kaum möglich und werden nur Spekulationen bleiben. Erstmalige schriftliche Erwähnung erfährt die Burg in Rogätz im Jahre 1196. In diesem Jahr übertrug Markgraf Otto II. von Brandenburg seinen Besitz in der Altmark, wozu auch die Burgen Angern und Rogätz gehörten, dem Erzbistum Magdeburg. Er behielt aber gleichzeitig seine Besitzungen als Lehen. In der Folgezeit kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Markgrafen und dem Erzbistum Magdeburg. Die Burg wechselte so des öfteren den Besitzer. Erzbischof Wilbrand (1253 - 1253) ließ die Burg stärker befestigen und den Turm auf 100 Fuß (30 m ) erhöhen. Ein Satteldach, das bis ins Jahr 1893 den Turm krönte, soll schon damals errichtet worden sein. Die Burg geriet erneut in den Besitz des Markgrafen Otto IV., so dass er sich im Jahre 1305 mit seinem Neffen Waldemar in Rogätz aufhielt. Ein Arnold von Sack wurde markgräflicher Vasall der Burg. Diese Familie erwarb einigen Besitz in unserer Gegend, bis dieses Geschlecht im Jahre 1440 ausstarb. Als Markgraf Waldemar verstarb und damit das Askanische Geschlecht ausstarb, kam es zu Machtkämpfen um die Nachfolge und das Erbe. Nachdem Ludwig der Bayer als Markgraf von Brandenburg eingesetzt wurde, musste er auch auf die Burgen Angern, Rogätz und Wolmirstedt zu Gunsten des Erzstiftes Magdeburg verzichten. Durch diesen Verzicht wurden eine Vielzahl von Orten von der Altmark abgetrennt. Im Zinnaischen Vergleich von 1449 wurde der Verzicht von Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg abermals bestätigt. Nach der Landfriedensurkunde des Erzbischofs Dietrich vom Jahre 1363 sollten „Arnd Sack und seine brodere“ im Bedarfsfalle mit aller Macht zur Unterstützung des Erzbischofs ausziehen. Wenige Jahre später mussten sie unter erzbischöflichen Druck ihren Anteil an der Burg Rogätz an das Geschlecht derer von Alvensleben abtreten. Im Jahre 1369 verkaufte Erzbischof Albrecht III. Den erzbischöflichen Teil der Burg Rogätz für 100 Silbermark an Ludolph von Alvensleben. Von diesem Geschlecht finden wir an der Ostseite der Kirche zwei schöne Grabplatten. Nach 1400 wurde auch vom Besitzer der Burg Rogätz das Fehderecht und andere Rechte für Raub und Plünderung missbraucht. Besonders Gebhard von Alvensleben wurde zu einem gefürchteten Raubritter, bis er von einer Bürgerwehr aus Magdeburg gefangen genommen wurde. Im 15. Jahrhundert hatte die Burg Rogätz ihre strategische Bedeutung völlig eingebüßt, so dass der Klutturm zu Wohnzwecken hergerichtet wurde. Im unteren Teil des Turmes befindet sich ein einziger tonnengewölbter Saal. Unter diesem Saal befindet sich eine Unterkellerung, die in früherer Zeit wahrscheinlich als Burgverlies gedient hat. Die rechteckigen Fensternischen im Süden und Norden des Saals verraten, dass er erst im 16. Jahrhundert wohnlich eingerichtet wurde. Darauf deutet auch ein Stein mit Allianzwappen und der Jahreszahl „1586“ hin, der sich an der Südseite befindet. Auch der Zugang an dieser Stelle ist offenbar im 16. Jahrhundert angelegt worden. An der Südoststrecke des Saals befindet sich ein Kamin, auf dem in Schwarz und Braun, ganz flüchtig Embleme und ritterliche Figuren gemalt sind. Diese Malerei ist wahrscheinlich erst im 19. Jahrhundert entstanden. Das zweite Geschoss enthielt den eigentlichen romanischen Wohnraum. Die vier romanischen Rundbogenfenster in breiten Nischen kennzeichnet ihn als ehemaliges Wohngeschoss. Der Zugang zu diesem Wohnraum befand sich früher, wie an Bergfrieden allgemein üblich, an der Außenseite des Turmes. Der damalige Eingang befand sich an der Ostseite, wo eine Rundbogentür mit den Balkenlöchern eines Holzauftritts zu erkennen sind. Zwei aufsteigende Rundbogenfenster lassen die ehemalige Außentreppe erkennen. An der westlichen Mauerseite führte eine Treppe in das untere Tonnengewölbe hinab. Die zwei kleinen Schlitze in der Südostecke können als Schlotmündungen der Kamine angesehen werden. Über diesem zweiten Geschoss ist deutlich die Baunaht zu erkennen. Der untere Teil des Klutturmes stammt aus romanischer Zeit, der obere Teil wurde wahrscheinlich nach 1243, unter Erzbischof Wilbrand, aufgestockt. Mit der Erhöhung des Turmes sollte die Burg besser gegen das seit den Kreuzzügen verbesserte Angriffswesen geschützt sein. Dieser Teil des Turmes ist innen völlig leer und hat nach außen nur kleine Lichtspalten. Diese konnten durch ihre innere Enge nicht als Schießscharten dienen. In früherer Zeit befand sich wahrscheinlich auf dem Klutturm eine Plattform , umgeben von einem Zinnenkranz, diese bot mehreren Schützen Platz, um die Burg zu verteidigen. Der Klutturm besteht im unteren Teil aus rundlichen Findlingen, der obere Teil dagegen aus gespaltenem Granit mit größeren Eckquadern aus Sandstein. An der Südseite sind die Spuren einer Beschießung, an ausgelöcherten und gesprengten Quadern, zu erkennen. Größere Löcher wurden mit Backsteinen ausgebessert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg Rogätz Schauplatz eines blutigen Kampfes. Im Jahre 1625 wurde das Erzstift Magdeburg von kaiserlichen Truppen besetzt und so wurde auch Rogätz am 16. Oktober von diesen Truppen in Besitz genommen. Der kaiserliche Rittmeister Beck hielt mit ca. 200 Soldaten den wichtigen Elbübergang besetzt. Die dänischen Truppen und ihre Verbündeten versuchten die Burg Rogätz zu erobern. Der dänische General Fuchs zog von der Altmark kommend gegen Rogätz und schloss es vom linken Elbufer ein. Unter dem Oberbefehl Ernst von Mansfeld wurde Rogätz vom rechten Elbufer eingeschlossen. Die Burg Rogätz wurde vom rechten Elbufer aus sturmreif geschossen. Verhandlungen zur Übergabe der Burg wurden vom kaiserlichen Befehlshaber abgebrochen. General Fuchs ließ sich von Mansfeld vier Geschütze über die Elbe holen und beschoss die Burg endgültig sturmreif. Am 27. März mussten die kaiserlichen Soldaten die zerschossene Burg aufgeben und sich auf den Klutturm flüchten. Ein katholischer Geistlicher ermunterte den Kommandanten zur verzweifelten Gegenwehr. Er drohte den schwankenden Soldaten den Klutturm anzuzünden, so dass sie verzweifelt weiterkämpften. Am 29. März gelang den Dänen der Sturm auf den Klutturm. Die gesamte Besatzung, bis auf ein paar Verwundeten, wurde niedergemetzelt. Die Dänen hatten auch erhebliche Verluste zu verzeichnen. Nach diesem Kampf war die Burg Rogätz, außer dem Klutturm völlig zerstört. Das Dorf selbst war ebenfalls ein Raub der Flammen geworden und von seinen Bewohnern rechtzeitig verlassen worden. Der Turm hat auch die französische Fremdherrschaft von 1806 bis 1814, als Rogätz zum Westfälischen Königreich gehörte, ohne Schäden überstanden. Im Jahre 1851 verkauften die von Alvensleben ihren Besitz in Rogätz an den Grafen Schwerin-Putzar und zogen nach Pommern. Der Rittergutsbesitzer Reinhold Himburg von Schricke kaufte im Jahre 1871 das Rittergut Rogätz mit dem Forstgut Heinrichshorst und dem Vorwerk Friedrichshöhe. Er ließ das alte Herrenhaus abreißen und ein neues Herrenhaus errichten. Im Jahre 1893 kam es zu einem Brand im Klutturm, dabei brannten die obere Geschossdecke und das Satteldach ab. Der Klutturm bekam ein Zeltdach, das aber bereits 1910 abbrannte. Daraufhin sollte der Turm abgetragen werden und die Steine zum Haus und Straßenbau verwendet werden. Der Regierungspräsident in Magdeburg untersagte aber dieses Vorhaben, so das uns dieser historische Turm erhalten blieb. Der Klutturm erhielt erneut ein Zeltdach. Im Jahre 1922 wurde der Turm durch den Fabrikanten Dr. Carl Still aus Recklinghausen zu einem Wasserturm ausgebaut und erhielt einen Behälter aus Beton. Die Wasseranlage war noch bis in den 70iger Jahren in Betrieb. Am Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Brüstung des Klutturmes von einer 8,8 Granate durchschlagen. So hat der Klutturm viele kriegerische Auseinandersetzungen überstanden und zählt heute zu einer der wertvollsten historischen Denkmale des Ohrekreises. In heutiger Zeit führt vom Obergeschoss eine lange Holztreppe nach oben. Bis zur Brüstung des Turmes führen Stufen aus Beton. Hat man als Besucher die Möglichkeit den Klutturm zu besteigen, so hat man einen schönen Ausblick. Bei guter Sicht erkennt man Magdeburg, Wolmirstedt, Niegripp, Heinrichsberg, Glindenberg, Farsleben, Zielitz, Loitsche, Angern und andere Orte. Besonders beeindruckend ist der Zusammenfluss der Ohre in die Elbe.