Hillersleben

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Lage:
Hillersleben liegt etwa 6 km südöstlich von Haldensleben am rechten Ufer der Ohre. Die Gemeinde erstreckt sich über ein Areal von 4 km von Norden nach Südosten und etwa 4,2 km von West nach Ost. Es beinhaltet zwei topographische unterschiedlich ausgeprägte Landschaften mit Acker- und Wiesenflächen. Hillersleben liegt nördlich im Bereich der Magdeburger Börde und grenzt südlich an die Colbitz - Letzlinger Heide. Hillersleben ist ein Ort an der Straße der Romanik.

Verkehrsanbindung:
Durch Hillersleben geht die K 1162, die in Samswegen auf die L 44 führt und weiter nach Wolmirstedt führt. Über Neuenhofe führt die K 1106 und über Wedringen die B 71 nach Haldensleben. Busverbindungen bestehen nach Haldensleben, Wolmirstedt, Vahldorf und Hillersleben-Siedlung. Die Bahnstation Vahldorf, Verbindung Magdeburg - Haldensleben, liegt ca. 2 km von Hillersleben entfernt.

Historisches
Das Dorf Hillersleben tritt in den Quellen hinter dem Kloster zurück. Der Name „Hildesleve“ wird erstmalig Anfang des 11. Jahrhunderts mit Bezug auf das Kloster erwähnt. Otto, Sohn der Ludburg und des Grafen Milo von Grieben und Ammensleben nennt sich im 12. Jahrhundert comes de Hildelive (Hildesleve). Mit diesem Geschlecht scheint auch die Burganlage in Zusammenhang zu stehen, die mitte des 12.Jahrhunderts erwähnt wird. Sie wurde abgerissen, um einem Neubau des Klosters Platz zu machen. Mit dem genannten Otto starben aber die Grafen von Hillersleben wieder aus. Ihre Grafschaft scheinen die Markgrafen von Brandenburg in Besitz genommen zu haben. Der Grundbesitz im Ort ging indessen nach und nach an das Kloster über. 1376 erhielt es vom Erzbischof Peter von Magdeburg den ganzen Ort geschenkt.

Am 22.09.1550 fand bei Hillersleben eine Schlacht zwischen Herzog Georg von Mecklenburg und den Bürgern von Magdeburg statt (Schmalkaldischer Krieg), in der die Magdeburger völlig geschlagen wurden. 1564 waren 26 Hauswirte ansässig. 1577 wurde das Dorf als völlig evangelisch bezeichnet. 1685 wohnten in Hillersleben 1 Ackermann, 1 Halbspänner, 25 Kossaten, 3 Hausgenossen, 1 Kuh und 1 Schafhirte. Die Kirche hatte nichts Eigenes und wurde im Baulichen vom Kloster erhalten, dass das ius patronatus hatte. Zur Zeit des Königreichs Westphalen gehörte Hillersleben zum Kanton Neuhaldensleben, Distrikt Neuhaldensleben, Elbdepartement. Zu Hillersleben gehörte Paxförde, dass aus einer Försterei, einer Schäferei und insgesamt 10 Wohnhäusern bestand. Die Entstehungszeit dieser Siedlung ist nicht bekannt. Doch war Paxförde schon im 18. Jahrhundert vorhanden. Im 20. Jahrhundert wurde es zugunsten militärischer Anlagen verlassen.

Im Jahre 1847 wurde in Althaldensleben das Rettungshaus gegründet. Es hatte die Aufgabe sittlich verkommenen oder unter unglücklichen Verhältnissen der Verwahrlosung ausgesetzten Kindern eine Zuflucht zu gewähren und ihnen neben gesunder Lebensweise auch eine christliche Erziehung und Vorbereitung zu einem bürgerlichen Beruf zu ermöglichen. 1854 wurde diese Anstalt von Hillersleben abgetrennt. Die Mädchen blieben in Althaldensleben, während die Knaben nach Hillersleben kamen. 1863 waren in beiden Anstalten 16 Knaben und 13 Mädchen. Danach wurde diese Anstalt in ein Waisenhaus umgewandelt, wo nur noch elternlose Mädchen und Knaben aufgenommen wurden. Der Schulunterricht wurde in der, im Waisenhaus befindlichen Schule durchgeführt. Nach der Schulentlassung konnten sich die Kinder selbst einen Beruf wählen. Im Jahre 1920 ist die Anstalt abgebrannt und wurde nicht wieder aufgebaut. Mit der Entstehung der militärischen Anlagen, mitte der 30iger Jahre in der Letzlinger Heide, entstand nordwestlich von Hillersleben der Ortsteil "Siedlung".

Dieser wurde karreeförmig angelegt mit relativ kleinmaßstäblicher Einzel- und Doppelhausbebauung. Eine landwirtschaftliche Nutzung in Form von Bauernhöfen waren hier nicht gegeben. Bis auf 3 Bauernhöfe, die von Paxförde umgesiedelt wurden, weil deren Grundstücke infolge der militärischen Nutzung benötigt wurden. Diese Höfe wurden im nordöstlichen Teil der Siedlung errichtet. In der Siedlung wohnten ausschließlich Arbeiter und Angestellte des sich in der Nähe befindlichen Schießplatzes bzw. der unterhalb der Siedlung entstandenen Kasernen und Militärgebäude .Die südlich der Bahnstrecke liegenden Wohnungen waren fast ausschließlich von Wehrmachtsbeamten und Angestellten bewohnt. Dort lag auch das Geschäftsviertel mit der Post, der Bäckerei, dem Kaufmann, Fleischer, Schneider, Schuhmacher, Friseur, Milchladen, der Bücherei und der Heißmangel. Die nördlich der Bahnstrecke liegende Wohnsiedlung war fast nur von Arbeitern und kleineren Angestellten bewohnt. Heute sind die meisten Häuser um- und ausgebaut, da sich die Wohnansprüche geändert haben.

Entstehung der Heeresversuchsstelle Hillersleben
Am 15. Mai 1935 wurde die bisherige Domäne an die Reichsumsiedlungsgesellschaft übereignet. Eine begreifliche Aufregung bemächtigte sich der Bevölkerung, als gewiss wurde, dass der Bedarf an Land für den Schießplatz mit dem Acker der 1600 Morgen großen Domäne nicht gedeckt war. So war bald klar, dass auch die 1000 große Feldmark der Gemeinde durch den großen Hammer (Wohn- und technisches Munitionsgebiet) in Anspruch genommen werden musste. Somit mussten einige bäuerliche Wirtschaften aufgelöst werden. In zahlreichen Versammlungen wurde die Bevölkerung von amtlicher Stelle aus über die beabsichtigten Maßnahmen unterrichtet, um wilden Gerüchten nicht allzu großen Spielraum zu lassen. Die Stimmung der Einwohner war mehr als bedrückt.

Als dann im Spätsommer die Grenzen des beanspruchten und für den Schießplatz benötigten Landes genau bezeichnet waren, begannen Beauftragte der Reichsumsiedlungsgesellschaft den Wert jedes einzelnen Ackerstücks abzuschätzen. Langwierige Verhandlungen mit jeden einzelnen Besitzer über Verkauf, Tausch, Entschädigungen usw. wurden in großzügiger Weise von den Beauftragten durchgeführt und am Ende des Jahres war fast alles erledigt. Es ergab sich folgendes Bild: Die zu Hillersleben gehörende, am Rande der Staatsforst gelegene Kolonie Paxförde musste vollständig verschwinden, da sie inmitten der Schießbahn lag. Auch Planken wurde vollständig geräumt. Die forstfiskalischen Dienstgebäude sind in Neu-Planken (etwa 1 km weiter westlich) in neuer Weise erbaut worden. Etliche private Landwirtschaften wurden ebenfalls aufgelöst. Der nicht gebrauchte Acker der früheren Domäne wurde an die übrigen Bauern als Ersatz für das abgetretene Land verteilt. Was an dem früheren Besitz fehlte, ist durch Abtretung von der Domäne Groß Ammensleben ergänzt worden.

Von 1936 bis 1939 entstand das sogenannte “Beamtenviertel“, in dem Zivilbeschäftigte des Versuchskomplexes für neue Waffen untergebracht waren. Die faschistische Militärführung hatte das Heereswaffenamt beauftragt, in Hillersleben Geschütze, Handfeuerwaffen und Munition zu testen. Mit der zunehmenden Zerstörung von Versuchsplätzen der Luftwaffe, übernahm Hillersleben auch diese Aufgabe. So den Test von Raketentreibstoffen und zum Ende des Krieges den Bau der „Luftpumpe“, einem Druckluftgeschütz zum Beschuss von Flugzeugen.

Ein weiteres Monstrum war der Mörser „Karl“. Kaliber 60 cm, auf einer eigens konstruierten Selbstfahrlafette. Allein das Geschoss wog 2,2 t. Von Juni 1938 bis 1940 wurden die ersten Versuche durchgeführt. Der Mörser schoss bis 48 km und wog insgesamt 124 t. Um ihn transportieren zu können wurde er zerlegt. Bis Januar 1945 wurde er weiter entwickelt. Die Waffe kam in Polen und in der Sowjetunion zum Einsatz. Die ersten Geschütze kosteten 153600 RM pro Stück. Am Bau beteiligt waren u.a. die Firmen Rheinmetall, Mercedes, Skoda und Krupp. 1943/44 verringerte man das Kaliber des Mörsers auf 54 cm. Rüstungsminister Speer weilte mehrer Male in Hillersleben, denn aus „Karl“ sollte eine Wunderwaffe werden. Auch die Wunderwaffe „Dora“ wurde in der Heeresversuchsstelle Hillersleben getestet. Die bis heute größte Kanone verschoss sieben Tonnen schwere Granaten. Neben Artillerie-Geschützen wurden hier aber auch Fahrzeuge, Panzer und vor allem die mächtigen Bunkeranlagen des Westwalls entwickelt und erprobt. Dies machte die Anlage zu einem der Hauptspionageziele der Alliierten.

Nach dem Krieg übernahm die Sowjetarmee das Gelände am Südrand der Colbitz - Letzlinger Heide und breitete sich aus. So kam es, dass die Bewohner von Hillersleben einen großen Bogen entlang der Kasernenmauer laufen oder fahren mussten, um von einem Teil des Dorfes in den anderen zu gelangen. Durch die Hillersleber Garnison wurde die Gemeinde in zwei Ortsteile gespalten. Hillersleben 1 ist über die Vorwahl von Groß Ammensleben und Hillersleben 2 über die Vorwahl von Haldensleben zu erreichen. Nach dem Abzug der Sowjetarmee hofft die Gemeinde Hillersleben auf eine weitere Nutzung des ehemaligen Geländes, da die Gebäude sonst immer desolater wurden.

Das heutige Hillersleben
Hillersleben ist eine Gemeinde bestehend aus den Ortsteilen Dorf und Siedlung. Zusammen zählt sie 716 Einwohner (Stand 09/2017) und wird kommunalpolitisch von der Verbandsgemeinde „Elbe-Heide“ in Rogätz betreut. Hillersleben liegt im Bördekreis, etwa 6 km südöstlich der Bördekreisstadt Haldensleben und gehört zum Land Sachsen-Anhalt. Hillersleben ist ein Ort an der Straße der Romanik. Hillersleben liegt landschaftlich gut eingebunden in einer strukturreichen Landschaft. Im Süden schließt direkt die Ohreaue an, wobei die Ohre am direkten Ortsrand verläuft. Im Südosten sind ausgedehnte Wiesenflächen zu finden, und nördlich des Ortes beginnen die leichten Erhebungen der Ausläufer der Colbitz – Letzlinger Heide. Umgeben ist der Ort im nordöstlichen Bereich von ehemaligen militärischen Flächen, die zur Zeit ungenutzt sind.

Zu DDR Zeiten war Hillersleben ein zentraler Schulstandort, der in zwei Bauabschnitten entstand. Es entstand ein zweizügiger Schulbau sowie eine Schulsporthalle. Auch heute besitzt Hillersleben eine Grundschule und noch einige Sekundarklassen. Im Dorf entstand Ende der 80er Jahre eine Konsum - Kaufhalle aus Elementen des damaligen Landwirtschaftsbaus. Kurz nach der Wende wurde diese Verkaufseinrichtung für den Konsumnachfolger Optimal - Kauf umgebaut. Jetzt ist sie aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Nach der Wende gab es vor allem auf dem privaten Bausektor Bewegung. Speziell im Ortsteil Siedlung entstanden am Birkenweg und an der Feldstraße Einzel- und Doppelhäuser. Aber auch im Dorf wurden in die noch vorhandenen Baulücken Einfamilienhäuser, z.B. in der Engen Straße, gebaut. Neu erbaut wurde am Ortseingang das „Skoda Autohaus“ mit Werkstatt.

Die Gemeinde Hillersleben wurde 1997 in das Programm für Dorferneuerung des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen. Ziele der Dorferneuerung waren z.B. die Erhaltung des Dorfcharakters und Erhaltung der dörflichen Infrastruktur, Erhaltung und Sanierung ortsbildprägender Gebäude, Ausbau und Gestaltung von Straßen, Wegen und Plätzen. So wurden z.B. die Enge Straße, die Schulstraße, der Einmündungsbereich Krugstraße und der Rad- und Gehwegbau entlang der Breiten Straße ausgebaut. Neue Grünanlagen, z.B. am Küchenteich und am Mühlengraben wurden geschaffen. Außerdem wurden Maßnahmen an den Vereinshäusern und Jugendclubs durchgeführt. Auch eine neue Straßenbeleuchtung erhielt der Ort Hillersleben.

Im Ortsteil Hillersleben - Siedlung erfolgte durch die Telekom eine Erdverkabelung im gesamten Ort. Der Birkenweg wurde ausgebaut und eine neue Straßenbeleuchtung angeschafft. Die Gehwege wurden erneuert und Maßnahmen am Jugendclub und dem  Vereinshaus durchgeführt.

Im Mai 2003 wurden die beiden Ortsfeuerwehren aus Dorf und Siedlung zu einer gemeinsamen Feuerwehr zusammen gelegt. Man war der Meinung, dass sich die Aufgaben bei einer gemeinsamen Wehr leichter abstimmen lassen und die notwendigen Austattungsgegenstände können so besser angeschafft und koordiniert werden. Die Einsatzfähigkeit wurde durch die Zusammenlegung nicht beeinträchtigt. Nach wie vor wird es sowohl im Dorf, als auch in der Siedlung einsatzfähige Feuerwehrzüge mit technischen Gerätschaften geben. Im Juni 2003 feierte die Freiwillige Feuerwehr Hillersleben ihr 70jähriges Jubiläum.

ehem. Garnison